Objekt der Begierde: Das Straussenkissen

Kurze Pause? Kein Problem.
Kurze Pause? Kein Problem.

Die Batterien sind fast leer und weit und breit ist kein schönes Plätzchen für eine Siesta in Sicht? Wenn das Bedürfnis eines Power-Naps riesig ist – egal ob im Büro, am Flughafen oder im Einkaufszentrum – gibt es jetzt eine ausgetüftelte Lösung: Das Straussen-Kissen (auf Englisch heisst es Ostrich-Pillow). Entwickelt von findigen Designern für die gestresste Gesellschaft. Die Schlafrevolution kann beginnen. Das Kissen garantiert en tüfe gsunde Schlaf. Für 80 Euro (in Europa) hier zu bestellen. Mehr über die Macher und ihre Geschichte findest du hier.

Als dann Jürgen kam

Ein verheissungsvoller Satz, geknüpft an viele künftige Erwartungen. Als dann Jürgen kam, wurde auf einmal alles einfacher, besser. Die kleinen, mühsamen Dinge des Alltags wurden leicht, jetzt mit Jürgen. Pläne wurden geschmiedet. Eine neue Wohnung sollte es sein. Grösser, schöner, heller.

Dann veränderten sich kleine Sachen – schleichend. Jürgen bekam Stress bei der Arbeit, hatte schlechte Laune. Permanent schlecht Laune. Musste Überstunden leisten, wollte öfters seine Kollegen sehen oder alleine sein. Er brauche das als Ausgleich, sagte er. Sie tat, als würde sie es verstehen. Doch im Innern tat sie es nicht. Seine Stimme wirkte auf einmal kalt. Der Stress, dieser verdammte Narr, tröstete sie sich. Jürgen wurde gereizter. Kleine Dinge wurden Gross, vieles blieb unausgesprochen, weil schwierig zu benennen. Leise machte sich die Liebe davon. Ohne anzuklopfen, ohne Worte. Leise, aber konstant. Sie ignorierte die Anzeichen, die veränderte Stimme, den vergessenen Guten-Morgen-Kuss. Jede zärtliche Berührung eine Seltenheit.

Der Stress, der Narr, tröstete sie sich. Bis sie eines Morgens einen Brief neben ihr auf dem Kopfkissen fand. Seine Betthälfte war schon leer, aber noch warm. Roch nach ihm. Sorry, ich kann nicht mehr, bin weg. Sorry, tschüss, Jürgen – Punkt. Simple Worte, die nichts – und trotzdem viel aussagen. Als dann Jürgen kam; war plötzlich nicht mehr. Die Versprechungen an eine gemeinsame Zukunft eine Floskel, ausradiert durch schlampig dahin gekritzelte Worte.

Leise schloss er die Türe hinter sich zu. Das neue Leben war nur noch ein paar Meter entfernt. Ein Leben ohne ständige Vorwürfe. Alles nochmals neu beginnen, das wollte er. In einer anderen Stadt, anonym.

Er würde sich eine neue Lebensgeschichte ausdenken. Eine nach seinem Geschmack. Beim Gedanken musste er lächeln. Er wollte um die Ecke biegen, um alles hinter sich zu lassen. Da kam ihm der Gedanke: du hast letzte Woche Lotto gespielt und der Schein liegt auf der Küchenkonsole. Scheisse! Sollte er sich wieder ins Haus schleichen, den Schein holen? Nein, zu gefährlich, dachte er sich. Der Drache könnte aufwachen. Und sowieso, beim Spielen hatte er noch nie Glück gehabt. Als sie erwachte, fand sie den pathetischen Zettel. Sie war schlecht gelaunt, obschon sie wusste, dass es so besser sein würde. Er ist ein egoistisches Arschloch, sagte sie sich. Eine schlechte Kombination, sinnierte sie und bekam urplötzlich Lust auf Schoggi-Glacé. Sie ging zum Kühlschrank, nahm das Eis heraus, als würde es sich um einen Goldbarren handeln. Stellte es auf die Küchenkonsole und stach den Löffel in die harte Masse. Sie schabte das Eis ab, genoss jedes Löffelchen. Es fühlte sich gut an, wie die Glacé auf der Zunge zerschmolz. Sie begann, sich ein neues, Jürgen-loses Leben vorzustellen. Träumte vor sich hin. Dann entdeckte sie den Lottoschein. Jürgen hatte ihn vergessen. Sie beschloss, ihn am nächsten Tag kontrollieren zu lassen. Das Herz blieb fast stehen, als die Kioskfrau ihr zum Millionensieg gratulierte. Mit federndem Schritt und einem breiten Lächeln betrat sie ihr Büro. Schnell war die Kündigung geschrieben, ausgedruckt und unterschrieben. Sie steckte sie in ein Couvert und legte sie dem Chef aufs Pult. Sie ging ohne einen Ton zu sagen. Das nächste Reisecenter war in der Nähe, nach wenigen Minuten entschied sie sich für die Karibik, mit erstem Halt auf den Bahamas.

Eiskalter Schwanensee

Ich komme immer wieder an den gleichen Punkt. Immer, das heisst, wenn ich die Steuererklärung ausfüllen oder ich dringend Administratives erledigen muss. Dann überkommt mich immer ein akutes Bedürfnis, meiner besten Freundin eine Mail zu schreiben, das Klo zu putzen, Cd’s zu sortieren, Hemden zu bügeln, den Keller aufzuräumen oder die Rillen am Gashard zu putzen.

Auch im Gemüsefach des Kühlschrankes sieht es inzwischen trostlos aus. Jedes Mal wenn ich die Schublade öffne, freuen sich die verdörrten Broccoliröschen, die verschrumpelten Peperoni und die spriessende Zwiebel auf meinen Besuch und singen fröhlich. Wenn sie gut aufgelegt sind, tanzen sie sogar Tschaikowskis Schwanensee für mich. Sieht toll aus. In diesen Momenten spielt es keine Rolle mehr, dass ich an Prokrastination leide, dann finde ich das sogar schön – an Aufschieberitis zu leiden. Leider gibt es nur wenige Mittelchen, die dagegen helfen. Ich habe es aufgegeben und freue mich lieber auf die Tanzvorführung aus meinem Kühlschrank, das hat schliesslich auch nicht jeder jeden Tag.